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Studienplatzvergabe in Deutschland

Zentral oder nicht, das ist hier die Frage

Seit einigen Jahren versucht Deutschland, die Vergabe zulassungsbeschränkter Studienfächer bundesweit einheitlich über die Plattform Hochschulstart.de zu realisieren. Doch nicht alle Hochschulen nehmen teil. Wie funktioniert also die Bewerbung für NC-Fächer?

Fotolia 88463320 MUnterscheiden muss man bei zulassungsbeschränkten Studienplätzen zwischen den medizinischen Fächern und Pharmazie auf der einen Seite und allen anderen mit einem Numerus Clausus belegten Fächern auf der anderen. Diese beiden Bereiche sind auf dem Online-Portal Hochschulstart organisatorisch voneinander getrennt.

Medizinische Fächer plus Pharmazie

Bei Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie bei Pharmazie erfolgt die Vergabe bundesweit und zentral. Das Vergabeverfahren ist dennoch nicht eindimensional, die Hochschulen können Bewerber nach eigenen Kriterien auswählen. Der allgemeine NC wird durch die Bundesländer gesetzt, daher ist auch das Bundesland, aus dem der Abiturient kommt, von einer gewissen Bedeutung.

Örtlich zulassungsbeschränkt

Es gibt viele andere zulassungsbeschränkte Studiengänge: BWL, Jura, Psychologie, aber auch Agrarwissenschaften oder Life Sciences. Auch hier, so die Theorie, sollten alle deutschen Hochschulen ihre Plätze über das Portal Hochschulstart vergeben. Doch von den 180 staatlichen Universitäten und Fachhochschulen nahmen 2017/18 nur knapp 130 teil – bis dato also ein unvollständiges System.

Wie gehen Bewerber vor?

Bei den medizinischen Fächern registriert man sich im System und gibt Ortspräferenzen an. Damit ist der Gestaltungsspielraum ausgeschöpft. Anders bei örtlich zulassungsbeschränkten Fächern. Zwar reicht eine einzige Registrierung, das einmalige Hochladen des Abiturzeugnisses und die Auswahl der Studiengänge und -orte. Jedoch muss zuerst herausgefunden werden, ob wirklich alle zur Verfügung stehenden Standorte auch im Hochschulstart-System gelistet sind. Eine komplette Listung der Studiengänge an staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen deutschlandweit gibt es nämlich nur über eine andere Internetseite der Hochschulrektorenkonferenz, die Hochschulkompass heißt. Laut Angaben der Betreiber sind hier mehr als 19.000 Studiengänge gelistet und tagesaktuell von den Hochschulen auf dem Laufenden gehalten. Örtlich zulassungsbeschränkt nennt die Webseite allein knapp 3.600 Bachelor-Programme. Hier gilt es, den in Frage kommenden Studiengang einzugeben und die Ergebnisse, welche Hochschulen das Programm anbieten, auszudrucken. Mit dieser Liste geht es ins System von Hochschulstart. Dort kann man sich dann für einen Großteil der Studiengänge direkt bewerben, der Rest der Liste muss über die Hochschulen direkt abgearbeitet, jede Bewerbung einzeln hochgeladen und abgesendet werden. In nicht allzu ferner Zukunft sollen, laut Angaben von Hochschulstart, alle Studienprogramme im System gelistet sein. Ob das umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

Wie machen das unsere EU-Nachbarn?

Nicht nur in Deutschland entscheiden Zulassungsbeschränkungen, Vergabesysteme, Aufnahmetests und Abiturnoten über Zu- oder Absage. Doch es gibt eine generelle Ausnahme, bei der fast immer die hochschulinternen Auswahlkriterien den Ausschlag geben: internationale Studienprogramme. Geht man als deutscher Student ins europäische Ausland, muss man sich mit den Kriterien der Hochschulen auseinandersetzen. In wenigen Fällen wird das Abiturzeugnis komplett in das heimische System umgerechnet. Meist werden die Oberstufennoten aus bestimmten Fächern als Selektionsmerkmal angesetzt: Mathe- und Physiknoten für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge. Sozialwissenschaften und Mathematik für BWL. Biologie und Chemie für Medizin. Der gesamte Abischnitt kommt in den seltensten Fällen zum Tragen. Häufiger sind da Aufnahmetests in bestimmten Fächern oder Interviews. Gute Englischkenntnisse müssen immer nachgewiesen werden, über Schulnoten oder Sprachzertifikate. Weil internationale Programme immer Sonderstudiengänge im nationalen System sind, gibt es einen größeren Spielraum bei den Bewerbungskriterien und so Chancen auf einen Studienplatz in Fächern, die in Deutschland sehr umkämpft sind.

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