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Britische Bildungsabschlüsse 

„My cup of tea“: ein Abschluss von der Insel

Linksverkehr, Meilen und Pfund. Ein Wunder, wenn sich nicht auch das britische Hochschulsystem deutlich vom deutschen unterscheiden würde. Was genau steckt hinter „Honours Degree“, „undergraduate“ und „postgraduate studies“?

british-221326 1920Allen Bemühungen auf EU-Ebene zum Trotz, die nationalen Hochschulsysteme, Studiengänge und Abschlüsse anzugleichen: Großbritannien hatte schon immer eigene Regeln. Nun kommt der Brexit und alles wird bei den Abschlüssen so bleiben, wie es ohnehin schon immer war.

University und University College
Es gibt einige Begriffe, die durch die Bildungslandschaft des Vereinigten Königreichs geistern und die für uns Deutsche nicht sofort verständlich sind. Am einfachsten ist „University“, das entspricht der deutschen Universität. Institutionen mit diesem Titel bieten staatlich anerkannte Bachelor- und Masterstudien-Programme an, oft auch Promotionsstudien. Die University Colleges waren in England ursprünglich die traditionellen Keimzellen der Universitäten. Einige führen diesen Titel auch heute mit Stolz. Meist weisen University Colleges deutlich geringere Studentenzahlen auf als die großen staatlichen Universitäten.
Die Briten selbst bewerten die Hochschulen übrigens vor allem nach ihrer Tradition. Das ist oft viel wichtiger als die offizielle Bezeichnung.

Und noch ein College
Der für Deutsche am schwierigsten greifbare Begriff ist „College“. Fachbereiche innerhalb einer University werden als Colleges bezeichnet – etwa das renommierte King‘s College, das zur University of London gehört. Doch es gibt noch weitere Formen: Sogenannte Higher Education Colleges bieten Bachelor- und Masterstudiengänge auf Hochschulniveau an, den universitären Studienprogrammen gleichwertig. Und dann existieren in Großbritannien auch Colleges, die im berufsbildenden Bereich lehren, also irgendwo zwischen den deutschen Berufsfachschulen und den Fachhochschulen zu verorten sind. Sie bieten eine sogenannte „Vocational Education“ an, sind aber für deutsche Studenten, die ins Ausland wollen, uninteressant.

Studium und Abschluss
Alle Bachelor-Programme an britischen Hochschulen laufen unter dem Begriff „undergraduate“. Was danach kommt, Master-Programme oder auch zertifizierte Weiterbildungen, sind „postgraduate programmes“. Im deutschen Sprachgebrauch hingegen sind Postgraduierten-Programme vor allem Doktorandenstudien oder Forschungsprogramme, in denen Hochschullehrer mit Mitarbeitern und Hochschulabsolventen zusammenarbeiten.
Umfangreiche Bachelor-Programme, die ein dreijähriges Vollzeitstudium erfordern, schließen in England, Wales und Nordirland meist mit einem „Honours Degree“ ab, etwa als BSc (hons) oder BA (hons), um den vergleichsweise hohen Arbeitseinsatz zu anderen Bachelor-Abschlüssen zu kennzeichnen. Einige Universitäten in Schottland wiederum vergeben einen Master-Abschluss MA (hons) im „Undergraduate-Bereich“ – eigentlich äquivalent mit dem englischen Bachelor-Abschluss mit „Honours Degree“. Zu diesem „Undergraduate Master“ werden Studenten auch ohne Bachelor-Abschluss zugelassen. Es gibt ihn aber nur in Schottland und ausschließlich in den Geistes- und Sozialwissenschaften.
Im Rest Großbritanniens und auch in Schottland, existieren MasterProgramme ansonsten nur als Postgraduate-Progamme. Diese dauern in der Regel ein oder zwei Jahre. Die Briten unterscheiden zwischen dem meist kürzeren „Taught Master“, der eher in Unterrichtsform abläuft, und dem „Research Master“, der oft länger dauert, mit einer wissenschaftlichen Arbeit abschließt und auf eine spätere Forschungstätigkeit vorbereitet. Klassisch sind die Abschlüsse Master of Science (MSc) und Master of Arts (MA). Hinzu kommen je nach Fachbereich verschiedene andere Kürzel.

Und die Creditpoints?
Alle Mitgliedsländer der Europäischen Union haben über Jahre hinweg das European Credit Transfer System, kurz ECTS, eingeführt. So entspricht ein europäischer Credit einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Arbeitsstunden, eine Vorgabe, die so in allen Ländern umgesetzt wurde. Nur in England, Wales, Schottland und Nordirland gibt es noch die UK-Credits. Hier müssen Studenten für einen Credit 10 Stunden arbeiten. Dreijährige Bachelor-Programme in UK kommen so auf 360 Credits, im Rest der EU sind es gerade mal 180.
Wie heißt es noch so schön? So sind sie eben, die Briten!  

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